Gedankenspiele

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Hallo Leute,
schon mehr als einen Monat bin ich jetzt hier in Denkyemuoso. Die Zeit bisher ist einfach nur wahnsinnig schnell vergangen, weil ich in den ersten Wochen hier so viel Neues, Interessantes und Aufregendes gesehen hab, aber wenn unter der Woche morgens der Wecker klingelt, fühlt sich der Alltag doch schon fast so normal an wie zuhause in Deutschland.
Das Unterrichten in der Grundschule ist in letzter Zeit leider vor allem von ernüchternden Erkenntnissen geprägt:
Zum ersten hab ichs jetzt leider auch erlebt, dass Schüler richtig geschlagen wurden. Das war zum Beispiel, als mehrere Leute ziemlich zu spät kamen, oder als die Schüler Wörter in Englisch buchstabieren sollten und nicht konnten, da bekam dann jeder „Schuldige“ einige recht heftige Hiebe auf Rücken oder Schultern. Die Schüler waren zwar beim Buchstabieren echt erschreckend schlecht (dazu gleich mehr), aber gerade da denk ich nicht, dass man mit der Rute viel bewirken kann. Das Ziel sollte ja eigentlich sein, den Schülern beizubringen, dass Lernen extrem wichtig ist, aber auch Spaß machen kann, und so verkommt es zu stupider Zwangsarbeit. Ich hab nicht das Gefühl, dass das Geschlagenwerden die Schüler besonders fertig macht oder verstört, das ist hier eher wie bei uns eine strenge Ermahnung, sie schauen kurz betroffen und machen dann weiter Blödsinn. Aber gerade darin liegt ja eigentlich das Problem, dass Schlagen und Geschlagenwerden hier eben als etwas Natürliches gesehen werden und so von Generation zu Generation weitergetragen werden. Deswegen hoff ich, dass ich der Lehrerin, aber besonders auch den Kindern zumindest ein wenig zeigen kann, dass man mit anderen Methoden als Schlagen mehr Spaß und Erfolg haben kann.
Das zweite Problem ist, dass die Schüler zum Großteil einfach kein Englisch können. Am Anfang dachte ich ja noch, vielleicht liegts an meiner Aussprache, vielleicht müssen sie sich erstmal an den neuen Unterricht gewöhnen und sind noch etwas zurückhaltend und unsicher. Letztendlich musste ich aber leider feststellen, dass sie, auch wenn ich einfachste Aufgaben eins zu eins aus dem Buch an die Tafel schreib (Look at the bar graph: What is the smallest mass? What is the greatest mass?, so in der Art) größtenteils nicht wissen, was sie machen sollen, geschweige denn, dass jemand einen korrekten Antwortsatz auf Englisch schreiben könnte. Bei der erwähnten Buchstabierübung hats eben auch zehn erfolglose Ansätze gebraucht, bis der elfte Schüler mal ‚money‘ oder ein Wort in der Art richtig buchstabiert hat. Letztens bei einer Übung in Mathe hat ein Schüler schon drei Versuche benötigt, bis er mal seinen Namen richtig an die Tafel geschrieben hatte. Und das ist halt schon deprimierend irgendwie, den Unterricht zu halten und zu wissen, dass einem vielleicht fünf von vierzig Schülern so richtig folgen können. Für das Leben hier brauchen die Schüler zwar eigentlich kein Englisch, muss man dazusagen, weil sich die Leute im Alltag eh auf Twi unterhalten, aber trotzdem: Die Schulbücher, Zeitungen, Fernsehsendungen usw. sind auf Englisch und die Schüler, die die Schule hier besuchen, sollen ja eigentlich später mal nen besseren Beruf erlernen können, wozu Englisch einfach grundlegend ist. Da find ichs dann schon hart, wenn in einer sechsten Klasse in einem Land mit Amtssprache Englisch kaum jemand richtig Englisch kann.
Der dritte Punkt ist, dass ich doch immer mehr ins Nachdenken komme (verbunden mit Entsetzen und Enttäuschung), je mehr ich die Unterrichtsmethoden und Kompetenzen der Klassenlehrerin so miterlebe. Nächste Woche stehen hier die Zwischenprüfungen an und ich sollte mal die Matheaufgaben durchschauen, da musste ich dann erstmal die Netze von Würfel und Kegel richtig hinzeichnen. Die letzten Stunden bestanden aus einer „Revision“ für die Exams, welche folgendermaßen aussah: Die Lehrerin hat sich vorne hingesetzt, die Prüfungsbögen ausgepackt und schonmal eins zu eins die Fragen vorgelesen und beantworten lassen, die dann nächste Woche in den Prüfungen drankommen. Das war umso erstaunlicher, da es sich eigentlich hauptsächlich um Multiple-Choice-Fragen einfachster Art handelte, z.B. in Kunst: Which colour do you get, if you mix red and yellow? – a) grey b) pink c) orange d) green. Der dritte Schüler, der aufgerufen wurde, wusste dann immerhin die richtige Antwort. Also da saß ich hinten drin und hab mir nur gedacht, das kann doch echt nicht wahr sein. Die kleinen Kindergartenkinder hier sind zum Teil richtig clever und selbstständiger als bei uns, das macht einen wirklich bedrückt, wenn man sieht, wie sehr dann in der Schule durch Eintrichtern und Auswendiglernen Potenzial kaputt gemacht wird in einem Land, das gute Ingenieure und Wissenschaftler bitter nötig hätte.
So bin ich insgesamt grad ziemlich hin- und hergerissen, was das Unterrichten in der Grundschule betrifft. Einerseits denk ich mir, was hat es für einen Sinn, wenn ich vorne steh und rede und keiner versteht mich, und die Lehrerin sitzt hinten drin und schaut zu. Wärs nicht besser, irgendwo anders zu helfen? Andererseits denk ich mir, bei der Lehrerin lernen vierzig Leute irgendwas auswendig, ohne dass einer danach irgendwas davon anwenden oder weiterführen könnte, bekommen falsche geometrische Formen vorgesetzt und werden geschlagen, wenn sie etwas nicht wissen. Da ist es vielleicht dann doch besser, wenn ich zumindest einem Teil der Schüler mehr Eigeninitiative und Selbstständigkeit antrainieren und den guten Schülern, die es ohne Zweifel gibt, wirklich etwas beibringen kann. Positiv kann ich vermerken, dass ich mittlerweile so ziemlich alle Namen kann, und ich glaub, einige Schüler schätzen das auch schon, dass sie jetzt mal einen anderen Unterricht bekommen. Am Montagmorgen hab ich mal etwas bisschen Religiös-Besinnlicheres probiert, bin mit den Schülern rausgegangen, wir haben uns im Kreis um einen Baum aufgestellt, mal für einen Moment die Augen geschlossen und ich hab eine Schülerin ein Stück Brot an alle verteilen lassen. Ich hab mir gedacht, dass die mal bisschen zur Ruhe kommen, sich nicht ständig angehen und es mal nicht um Lernen und Gehorsam geht. Am Ende wollte ich gemeinsam ein kurzes Gebet sprechen, da ist mir dann leider die Lehrerin zuvorgekommen und hat einen Schüler strammstehen und vorbeten lassen, fand ich nicht so toll. Naja, insgesamt glaub ich, die meisten wussten noch nicht so recht, wie sie das aufnehmen sollen, aber vielleicht versuch ichs in Zukunft nochmal wieder.
Für meine Deutschkurse musste ich die Woche Examensprüfungen zusammenstellen und ich muss sagen, das hat mir ziemlich Spaß gemacht, sich passende Fragen und Aufgaben zu überlegen. Es sind zwar in jedem Kurs nur ein paar Schüler, die den Unterricht wirklich ernst nehmen, die anderen erscheinen meistens gar nicht zu den Stunden am Nachmittag, aber vielleicht ändert sich das ja nach einigen vernichtenden Nullingern in den Prüfungen 😉
Ansonsten zum Schulleben: Letzte Woche war so eine Art Jugend-debattiert-Wettbewerb an unserer Schule, zwei Vertreter von uns gegen zwei von einer Nachbarschule. War eine recht interessante Veranstaltung, es war sogar irgendein Parlamentsabgeordneter zu Gast. Unserer zwei Sprecher haben gewonnen und danach gings ordentlich ab in der Halle, ein paar Lehrer mittendrin im Geschehen.
Außerdem hab ich mal den sonntäglichen Schulgottesdienst besucht, was dadurch ganz interessant war, dass ein Schüler anstelle des nicht erschienen Pfarrers die Messe hielt und Schüler aller möglichen Glaubensrichtungen anwesend waren. Hab leider vom Twi nicht so viel verstanden, aber ab und zu werd mich wohl mal wieder dazugesellen. Über die Rolle von Glauben und Religion hier schreib ich wenn dann mal an eigener Stelle.
Das absolute Highlight der letzten Tage war zweifellos ein Besuch im Owabi Wildlife Sanctuary letztes Wochenende. So ein kleines Naturreservoir mit Stausee, Urwald und viel Ruhe nicht weit von uns entfernt. Wir sind zu dritt hingefahren mit noch einem Volunteer aus Tanoso und haben eine Nacht dort wunderbar gezeltet. Ein Führer hat uns durch die Landschaft um den Stausee geführt, durch Dschungel, Bambus, Bananenplantagen, Wiesen und Sümpfe, meist mit einem einzigartigen Vogelgezwitscher und interessanten Düften um uns herum. Am beeindruckendsten fand ich, auf so großen Rohren, durch die Kumasi mit Wasser versorgt wird, über eine riesige Fläche voll mit Farnen zu laufen, eingebettet zwischen Urwald und Stausee, und wie an einer Schnur durch die Ungewissheit dieser Abenteuerlandschaft gezogen zu werden. Am Abend hab ich mich dann noch allein auf den Staudamm gesetzt (aufgemerkt, jetzt wird’s noch poetischer), der See hat im Dunkeln magisch geglitzert und eine wohltuende Brise hat mir ins Gesicht geblasen, begleitet vom Zirpen der Grillen, Quaken der Frösche und Rauschen des Wasserfalls. Auf den Tag genau ein Monat nach meiner Ankunft in Ghana war vergangen. Ich hab an Zuhause gedacht, an die liebe Familie und an diejenigen von euch, die sich zu gleicher Zeit auf Jans Feier vergnügt haben. Aber ich hab mir auch gedacht, die Zeit hier vergeht so schnell, was sind schon ein paar verpasste Feiern im Vergleich zu dem Ort, an dem ich mich gerade befinde. Und ich war richtig froh, den Schritt hierher gewagt zu haben. Auch deshalb, weil ich gemerkt hab, dass ich meine Familie, Verwandten und Freunde noch mehr schätze, seit ich sie vermisse.
Abrupter Bruch, zurück zum Alltag:
Was ich schon länger mal erwähnen wollte, weil es mich hier schon sehr beschäftigt, ist die Verschmutzung und Zerstörung von Natur und Umwelt, wie sie hier, wenn man sich nicht gerade in Owabi befindet, allgegenwärtig ist. Allein im unmittelbaren Umkreis der Schule gibts einen kleineren und einen richtig großen Berg aus Plastikmüll und sonstigem Unrat, die in regelmäßigen Abständen einfach abgefackelt werden. Auch sonst ist die Landschaft in der Regel mehr oder weniger übersät mit Müll, vor allem mit den kleinen schwarzen Tüten, die man bei jedem Einkauf bekommt, und mit den durchsichtigen Tüten, in denens das Trinkwasser gibt. Auch Batterien, Rasierklingen, alte Medikamente und sowas werden einfach irgendwo ins Gebüsch oder in die Wiese geworfen. Spül- und Waschwasser werden an Ort und Stelle ausgekippt, sodass sich auf oder neben den Sandstraßen überall kleinere und größere Rinnen gebildet haben, in denen dann zum Teil richtig ekliges giftgrünes Schmutzwasser zusammen mit allerlei rumschwimmendem Abfall in die nächste Senke fließt. Von dem Dreck und Müll, der rumliegt, ernähren sich die Ziegen, Hühner und anderen Tiere auf der Straße, von denen man dann (ich versuchs nicht zu oft zu tun) Fleisch und Eier isst, keine so tolle Vorstellung. Wenn nicht das Bread and Egg so unglaublich lecker wäre …
Das Problem ist, dass ich nicht weiß, wie ich es groß anders machen kann als die Leute hier. Ich schütt mein Seifenwasser in die Dusche in der Hoffnung, dass es so in irgendeine Kläranlage kommt, aber so sicher bin ich mir da auch nicht. Zur Müllentsorgung bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig, als die Müllberge zu vergrößern, weil man auf Fragen, wo man denn seinen Müll sonst hinbringen kann, keine andere Antwort bekommt. Die Leute lachen schon immer, wenn ich wieder mit meiner Stofftasche zum Einkaufen ins Dorf lauf. Wenn man sagt, man möchte keine Plastiktüte, oder auch das Ganze noch durch Gestik und Mimik untermalt, schauen einen die Verkäufer meist an wie einen Wahnsinnigen, auch die, bei denen man glauben könnte, sie haben zumindest den Inhalt der Bitte verstanden. Ich reiß ihnen dann manchmal einfach freundlich das Zeug aus der Hand und stecks in meine Tasche, das begrüßen sie dann in der Regel doch, denk ich (sparen sich ja auch ne Tüte) . Das ist echt schlimm, dass die Leute hier größtenteils überhaupt kein Bewusstsein für Umweltschutz haben. Man bekommt zum Teil alles einzeln und dreimal verpackt (in einem Pack Klopapier ist zum Beispiel jede Rolle nochmal einzeln eingeschweißt), Margarine und Tomatenmark gibts (nicht nur, aber auch) in winzigen 50g(oder so)-Schachteln bzw. -Dosen, statt wechselbaren Klingen gibt’s vor allem Einwegrasierer, und wenn die Berufsschüler zum Duschen gehen (der Waschraum ist gleich neben unseren Zimmern), hört sich das meistens nach fröhlicher Schaumparty an.
Positiv ist, dass zumindest Gläser und Dosen eigentlich kaum weggeschmissen werden, sondern als Aufbewahrungsbehälter oder so aufgehoben werden. Außerdem muss man natürlich sagen, dass ein Einkauf auf dem Markt hier immer noch deutlich weniger Müll produziert als ein Einkauf bei uns im Supermarkt. Zum Wäschewaschen, Körperwaschen und Spülen gibts halt zum Beispiel normalerweise ein Stück Seife und nicht tausend verschiedene Behälter Wasch-, Dusch und Spülmittel. Allerdings steigen natürlich auch hier die Ansprüche nach mehr Komfort, immer mehr importierte „Supermarktartikel“ werden verkauft, mehr Leute können sich ein eigenes Auto leisten, die Reichen bauen sich einen Pool in den Garten usw.
Einerseits freut man sich natürlich, wenn der Standard hier steigt, aber andererseits, wenn man an das hohe Bevölkerungswachstum in Afrika und dann an die Umwelt denkt, kommt man schon auch sehr ins Nachdenken. Schmutzige Gewässer, verödete Landstriche, Müllberge, die Luft voller Staub und Abgase und dazwischen überall Kinder über Kinder, die meisten ohne ausreichende Bildung, aber alle mit großen Wünschen und Bedürfnissen. Schon jetzt denk ich mir jedesmal, wenn wir nach Kumasi ins Zentrum fahren, die Stadt platzt einfach nur vor Menschen, Waren und Fahrzeugen. Und man fragt sich, wie unsere liebe Erde das in Zukunft nur aushalten soll, grade wenn man bedenkt, dass es an vielen Orten auf der Welt ja noch schlimmer ist als in Ghana.
Naja, genug davon, ein wenig übertrieben hab ich wohl doch, wo ichs mir jetzt so zum zweiten Mal durchlese. Keine Angst, ich ersticke nicht in Müllbergen.
Afrika hat seinen eigenen Rhythmus, die Menschen hier leben anders, aber ich denke zufrieden, und wer weiß, was die Zukunft Glorreiches für uns bereithält 🙂
In diesem Sinne sei‘s genug. Ihr merkt, der ganze Bericht dreht sich nur ums Nachdenken, aber das nicht ganz zu unrecht. Ich mach mir hier echt, noch viel intensiver als davor, über alles Mögliche meine Gedanken, über die Zukunft, über meine Aufgaben, über Mensch und Natur, über Glauben, über Ziele und Wünsche und zuletzt darüber, was ich studieren soll, wenn ich zurückkomm, wobei nach diesem Bericht wohl Philosophie angebracht wäre. Mal schauen, Landschaftarchitektur klingt ganz gut eigentlich, dann könnte ich der Umwelt mal was Gutes tun.
Also bis zum nächsten Mal, und ich sags gleich: Wer denkt, so langsam müssten mir doch mal die Themen ausgehen, der hat sich getäuscht. Außerdem haben wir bald Ferien und ich hoffe, dass da dann wieder einige spannende Erlebnisse hinzukommen.
Relativ liebe Grüße 😉
Matze

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Mal wieder Lese-Nachschub

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Nicht viel Zeit ist vergangen seit dem letzten Bericht und doch gibts schon wieder einiges zu erzählen.

Zunächst mal hab ich ja vor etwa eineinhalb Wochen angefangen, hier zu unterrichten. Also ich hab jetzt in einer 6. Klasse (gehört in Ghana noch zur Primary School) den Matheunterricht und eine Stunde Englisch-Writing von der Klassenlehrerin übernommen und mache zwischendurch auch immer mal wieder Kunst mit den Schülern. Der Start hat auch ganz gut geklappt denk ich (Einführung in Geometrie), den Unterricht auf Englisch zu halten krieg ich hin (gibt leider ein paar Schüler, die wahnsinnig schlecht Englisch können) und ich hab mir erstaunlich schnell schon einige Schülernamen merken können.

Da die Klassenlehrerin meistens noch bei mir zuschaut und ich bei ihr, wurden aber auch schnell die Unterschiede zwischen der Schule hier und in Deutschland und die damit verbundenen Schwierigkeiten deutlich. Die Schüler sind es einfach überhaupt nicht gewöhnt, mit in den Unterricht einbezogen zu werden, Transferaufgaben zu lösen oder kreativ zu werden, weil das bis jetzt offensichtlich niemand von ihnen verlangt hat. Die letzte Science-Stunde sah zum Beispiel so aus, dass die Lehrerin eine relativ komplizierte Definition mit allerlei Fachbegriffen an die Tafel geschrieben hat, welche dann dreimal von den Schülern im Chor wiederholt wurde und in der Übungsaufgabe am Ende der Stunde noch einmal eins zu eins wiedergegeben werden sollte.

In Mathe haben wir jetzt z.B. Netze von Raumkörpern durchgenommen und in der Stunde die Beispiele Würfel, vierseitige Pyramide und fünfseitige Pyramide besprochen. Als ich das in der nächsten Stunde abgefragt hab, konntens die meisten einigermaßen gut hinzeichnen. Dann hab ich noch nen Quader und ne dreiseitige Pyramide an die Tafel gemalt und wollte von ihnen das Netz haben, damit waren sie dann aber vollkommen überfordert und haben nur nochmal irgendwelche bereits bekannten Netze hingezeichnet. Das hat mir schon ziemlich zu denken gegeben, weil ich das Thema eigentlich echt ausführlich besprochen hab und auch alle möglichen Formen aus Papier gebastelt hab. War wahrscheinlich ein bisschen zu viel verlangt für den Anfang, weil die Schüler vermutlich bis jetzt nur Körper von der Tafel abzeichnen mussten, ohne wirklich ein räumliches Vorstellungsvermögen zu bekommen, und wahrscheinlich auch zum ersten Mal Formen in gebastelter, dreidimensionaler Form gesehen haben.

Anderes Beispiel, auch wenns wohl schon langweilig zu lesen wird: Ich hab nen Kreis an die Tafel gemalt, zigmal Radius und Durchmesser eingezeichnet und gefragt, wie die zwei zusammenhängen. Verständnislose Blicke. Dann hab ich hingeschrieben: Radius = 1/3 Durchmesser, stimmt das?, und alle haben im Chor ja geantwortet. Also mal schauen, wies jetzt weitergeht, Spaß machen tuts auf jeden Fall trotzdem und ich hab eine interessante, anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen. Das nächste Thema in Mathe ist das Untersuchen von Tabellen und Daten, das klappt dann vielleicht auch besser.

In Kunst wollte ich in der ersten Stunde, dass sie ein paar Sachen zeichnen, die für sie typisch für Ghana sind, und hab halt an der Tafel paar Beispiele gegeben, aber ausdrücklich gesagt, sie sollen sich eigene Sachen überlegen. Haben dann natürlich nur die wenigsten gemacht, was aber laut meinem Papa bei ihm im Kunstunterricht genauso ist 😉 Jedenfalls haben sie zum Teil echt sehr schön und gut gezeichnet. In der nächsten Stunde wollt ich sie dann eine Landschaft zeichnen lassen, wieder das gleiche Problem. Dann ist allerdings die Lehrerin durch die Reihen gegangen und hat glaub ich, so bisschen auf Englisch, mehr auf Twi, gesagt, sie sollen schön sauber das von mir an der Tafel abzeichnen, was natürlich einiges erklärt.

Sonst so allgemein zur Schule: Ich hab jetzt vor allem die Probleme aufgezählt, aber es ist auf der anderen Seite natürlich auch sehr interessant, schön, aufschlussreich und die Schüler sind teilweise richtig lieb. Mit der Lehrerin komm ich auch ganz gut klar, das ist halt einfach so, dass hier einige Sachen anders sind als bei uns, vor allem muss man bedenken, wie die Lehrerin selbst vor 20-30 Jahren wahrscheinlich erzogen wurde und was sie für eine Ausbildung gemacht hat. Meistens ist der Unterricht auch nicht so diszipliniert und streng, wie das jetzt hier vielleicht klingt, es wird auch wirklich viel gelacht, mal zusammen getanzt und gesungen und vieles ist es auch nicht groß anders als bei uns.

Dass Kinder geschlagen werden, hab ich bis jetzt zum Glück noch nicht richtig heftig erlebt (Lisa im Kindergarten leider schon). Einmal ist die Lehrerin mit ihrem Stock, der schon immer griffbereit im Klassenzimmer liegt, durch die Reihen gegangen und hat mal eher spaßhaft auf den Tisch geklopft, mal aber auch ernstgemeint und fester einigen Schülern auf Rücken oder Schultern geschlagen. Da musst ich dann zwar einerseits feststellen, dass auch ich nicht davon verschont bleibe, aber andererseits sind glaub ich auch Anzeichen für eine Besserung feststellbar, auch wenn das noch einige Zeit dauern wird. Zumindest hab ich noch nicht mitbekommen, dass jemand vor der Klasse richtig verprügelt oder bloßgestellt wurde. Vielleicht machen das die Lehrer auch nur, wenn ich nicht dabei bin, ich weiß es nicht. Das größte Problem beim Schlagen ist meiner Meinung nach, dass sich das so extrem auf die Schüler überträgt, und die wirklich bei jeder Kleinigkeit anfangen, sich gegenseitig anzugehen, eine runterzuhauen oder sich mit Sachen zu bewerfen, das ist echt traurig manchmal.

Was für uns auch ungewohnt ist, die Lehrerin isst oder telefoniert im Unterricht, wenn die Schüler gerade mit Stillarbeit beschäftigt sind, schickt Schüler los, um ihr etwas zu essen oder zu trinken zu holen, oder unterhält sich einfach mal eine halbe Stunde mit einer Kollegin und die Schüler machen, was sie wollen. Also das wechselt sich immer so ab, mal strenger Unterricht und dann geht’s wieder total locker zu und die Lehrer können sich glaub ich auch nicht so richtig entscheiden, was ihnen lieber ist.

Neben dem Unterricht in der Grundschule versuch ich noch dreimal die Woche, den älteren Berufsschülern hier ein bisschen Deutsch beizubringen. Das beschränkt sich zwar trotz dem, dass die meisten eigentlich schon ein halbes bzw. eineinhalb Jahre Deutsch hatten, auf grundlegende Sachen wie Begrüßung, Hobbies, Zahlen und Wochentage, aber es macht echt richtig viel Spaß. Ich komm mit den Schülern super klar und einige wollen sogar noch freiwillig Extrastunden haben, um die German language zu lernen (vor allem natürlich deshalb, weil sie denken, sie lernen mal schnell Deutsch und können dann nach Deutschland kommen). Naja, die Probleme fangen bei der richtigen Aussprache an und in die Tiefen der deutschen Grammatik brauch ich glaub ich eh nicht vorzudringen, aber was solls: Ich denke jedes Wort, jeder Satz ist ein kleiner Gewinn für die Schüler und mich und kürzlich hab ich eh irgendwo gelesen: Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen.

Genug von der Schule, was war sonst noch los:

Am 6. März war der ghanaische Independence Day und das wollten wir natürlich auch miterleben. Wir hatten gehört, dass im Stadion in Kumasi ein großes Fest stattfindet und sind da hin. Weil dort dann aber erstaunlich wenig los war und dafür relativ viel Eintritt verlangt wurde, bin ich als alter Stadiontourist auf eigene Faust rein. Waren etwa zehn Leute drinnen, obwohl die Show schon vor einer halben Stunde hätte anfangen sollen. So konnte ich dafür in Ruhe das Stadion erkunden und hatte von ganz oben auch noch einen herrlichen Blick über Kumasi. Mit der Zeit rührte sich dann auch auf dem Feld etwas und die Haupttribüne war mittlerweile gut gefüllt. Es begann zwar nicht, wie ichs mir vorgestellt hatte, eine Darbietung in der Art wie z.B. bei olympischen Eröffnungsfeiern, aber ein kleiner Gottesdienst, den ich mir noch eine Zeit lang anschaute und dann gemütlich noch ein wenig durch Kumasi lief, vorbei an Handwerkermärkten, einer Moschee und der weithin sichtbaren katholischen Kathedrale, errichtet in der Kolonialzeit, was den Bogen zum Unabhängigkeitstag schließt.

Letzten Samstag haben wir das Unigelände von Kumasi besucht, ein sehr schönes, weitläufiges Areal. Ich hab die meiste Zeit im botanischen Garten dort verbracht, war echt toll. Palmen, Bambus, Pinien, Termitenhügel, allerlei interessante Gewächse und Früchte und vor allem Ruhe und Besinnlichkeit, was sonst in Kumasi eher schwer zu bekommen ist. Im Schatten der Bäume hatten sich verschiedene Gruppen zu Gottesdiensten und Andachten versammelt und sangen und trommelten angenehme Rhythmen, zu denen ich richtig entspannt durch den Park schlendern konnte. Am Ende befanden sich noch einige Bäume, die am hellichten Tag von riesigen Horden Fledermäusen besetzt waren, die bei meinem Näherkommen wild über mir durch die Lüfte flatterten und ein beeindruckendes Schauspiel darboten (es blieb zum Glück bei der Befürchtung, dass mir eine davon auf den Kopf macht).

Am Sonntag war ich dann noch mit einem der Schüler zum zweiten Mal im Stadion, diesmal zum Erstligaspiel Asante Kotoko (der Heimverein aus Kumasi und aktueller Tabellenführer) gegen die Wa Allstars. Das Stadion war nun auch sehr gut gefüllt, Kotoko siegte relativ problemlos 2:0 und wir hatten einen schönen Nachmittag ganz nach meinem Geschmack. Einmal war ich kurz geschockt und dachte, im gegenüberliegenden Block gehen üble Randale los, bis sich herausgestellt hat, dass sich die Leute da nur eine fröhliche Wasserschlacht mit Tütenwasser geliefert haben 🙂

Die letzten zwei Tage gings mir zum ersten Mal nicht besonders gut, die typischen Reisebeschwerden und ich fühlte mich ziemlich matt und war auch nicht in der Schule. Hab aber gleich mit den Leuten hier gesprochen und Malaria wäre schon nochmal ein Stück übler gewesen. Also ich befind mich schon wieder auf dem Weg der Besserung, keine Sorge, und ich habs jetzt heute ja immerhin schon wieder ins Internetcafé in Tanoso geschafft.

Damit belass ichs bei einigen wenigen kurzen Zeilen und melde mich nächstes Mal wieder ausführlicher 😉

Liebe Grüße nach Deutschland, ich fang so langsam an, euch zu vermissen 😉

Matze

Ps: Supercool, meine Hände werden schon ein bisschen afrikanisch, man sieht richtig die Grenze zwischen hell und dunkel 🙂

Angekommen im Alltag

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Die erste Woche ist vorbei, schneller als gedacht, und ich meld mich mal wieder.

Wir mussten die ersten Tage noch nicht unterrichten und haben dafür unter der Woche doch schon recht viel von der Umgebung gesehn, anfangs mit Hilfe von Jakob und dann schnell auch selbstständig: Den Zentralmarkt von Kumasi, den ich bisher am beeindruckendsten fand, weil man dort einfach mit so vielen Gerüchen, Geräuschen und Eindrücken überhäuft wurde, dass einem Hören und Sehen alles andere als verging (laut Reiseführer ist der Markt größer als 14 Fußballfelder und einfach unbeschreiblich, ich hoff die meisten haben die Bilder gesehn); den Stadtkern von Kumasi, in dem sich z.B. Poststation, Supermarkt und größere Läden befinden sowie ein paar kleinere Orte in der unmittelbaren Umgebung.

Für den Weg dorthin nutzten wir in der Regel den legendären afrikanischen Trotro-Verkehr, also so alte Vans oder Kleinbusse mit vielen klapprigen Sitzen, noch mehr Insassen und ordentlich Rost und Flickzeug außenrum, die dann so über Stock und Stein rumpeln. Immer wieder ein schönes Erlebnis meiner Meinung nach, weil man da einfach so super ins afrikanische Leben eintaucht bzw. reingequetscht wird, ohne irgendwelche Obruni-Besonderheiten und hundert Prozent authentisch. Im Trotro hatten wir dann auch schon einige ganz nette Gespräche über das obligatorische „How are you?“ hinaus beispielsweise mit einem älteren Mann, der von seinem Urlaub in Deutschland geschwärmt hat.

Fußläufig in etwa ner Viertelstunde erreichbar ist Tanoso, also der größere Nachbarort von Denkyemuoso, in dem es auch eine Apotheke, Bank und eben eine Uni mit Internetcafé gibt, welches mir den Kontakt nach Hause recht einfach und erschwinglich macht (eine Stunde etwa 35 ct inklusive Special Entertainment durch Stromausfälle und Computeraussetzer). In Tanoso gibt’s auch eine gute Chop Bar (Restaurant und Bar), in der wir abends öfter waren und interessanterweise mit Weihnachtsliedern wie Jingle Bells unterhalten wurden.

Zum Kontakt mit den Leuten kann man sagen: Es wird denk ich schon erwartet, dass man als fremder Weißer jeden mit einem freundlichen Blickkontakt, Zuwinken oder ein paar Worten grüßt, was ich auch gerne tu. Wenn man von wildfremden Leuten nach Geld oder Kontaktadressen gefragt wird, was eigentlich nicht so oft vorkommt (also z.B. beim Gang über den Zentralmarkt nur ein Mal), muss man sich halt irgendwie freundlich rausreden, bis jetzt konnte ich da ehrlicherweise sagen, dass ich noch keine ghanaische Simcard und Nummer habe (will ich mir jetzt dann aber unbedingt mal besorgen). Die Kinder im Dorf fragen häufig nach Geld, was zu essen oder zu trinken, aber da sagt man dann halt zum Beispiel, es ist von der Schulleitung nicht gewünscht, als Lehrer Sachen zu verteilen. Den Kindern geht’s ja nicht so schlecht hier, die wollen eigentlich eher testen, ob sie erfolgreich sein können.

Was ich mir sehr wünschen würde, wären ein paar ghanaische Freunde, mit denen man mal einen Ausflug machen kann oder so. Die Berufsschüler sind zum Teil sehr nett, aber man ist halt auch deren Lehrer und muss sich einigermaßen dementsprechend verhalten. Die Lehrerkollegen sind 10 bis 30 Jahre älter als man selbst und glaub ich nicht so dran interessiert, wobei ein Lehrer uns mal wo mithinnehmen wollte. Im Trotro bin ich schon mal mit einem Studenten ins Gespräch gekommen, der nicht diese ganz naiven Vorstellungen von Europa hatte und gleich auf Geld oder Adressen aus war, dahingehend hoff ich, dass sich vielleicht mal in der Uni oder so nette, gebildete Leute finden, mit denen man sich anfreunden kann, weils find ich einfach cool wär, das Land auch zusammen mit Einheimischen kennenzulernen, wobei man halt leider bei Freundschaften erstmal immer skeptisch bleiben muss.

So haben wir die Woche in der Regel zu dritt oder viert mit noch einigen anderen Freiwilligen aus Tanoso verbracht, was zwar immer schön war, aber ich mir auf Dauer ein bisschen weniger europäisch wünschen würde. Freitagabend waren wir in Bantama, sozusagen der Maxstraße Kumasis, wo sich insgesamt so um die zehn Freiwillige aus der Gegend in einer Bar eingefunden hatten. War sehr angenehm und man hat sich auch ganz nett unterhalten. Am Tisch saßen auch noch einige Ghanaer, wir kamen bisschen später und mir wurde nicht ganz klar, ob die sich einfach nur dazugesellt hatten oder was, jedenfalls haben sie einem hauptsächlich ständig freudig die Hand gereicht und zugezwinkert.

Gestern wollte ich dann einfach mal einen ruhigen Tag einlegen, was echt nicht am Vorabend lag. Lisa hat mit zwei anderen einen Ausflug gemacht, aber ich hatte am Vormittag etwas Durchfall, war recht müde und bin dann lieber zuhause geblieben. Hab bisschen aufgeräumt, entspannt und zum ersten Mal Wäsche gewaschen, ein paar Schüler haben mir auch gleich geholfen. Nachmittags hab ich mit paar Leuten im Gemeinschaftsraum der Schule bisschen Premier League und Carling Cup angeschaut und ich bin sehr zuversichtlich, dass dort dann auch fleißig die EM verfolgt wird 🙂

Am Abend hab ich mir spontan noch meinen Lebenstraum erfüllt und mit den Berufsschülern auf unserem sandigen, steinigen, unebenen Schulhof Fußball gespielt – und es hat einfach nur richtig viel Spaß gemacht. Ich als filigraner Edeltechniker hätte mir natürlich lieber einen tip top gepflegten Rasenplatz gewünscht, aber ich habs mir dann doch nicht verkneifen können, zumindest ein herrliches Tor aus unglaublichen zwei Metern passgenau ins leere Gehäuse zu erzielen. Fazit der Veranstaltung: Viel Schweiß, paar Schrammen und richtig gute Laune. Ich weiß, wie ich in Zukunft jeden Abend hier verbringen werd 😉

Heute Morgen wollte ich eigentlich in die Kirche, bin gestern auch um halb 10 ins Bett, aber ich hab dann doch lieber noch ausgeschlafen und hatte auch nochmal Durchfall, obwohls mir gestern Abend eigentlich richtig gut ging.

Morgen geht dann unsere Arbeit los und damit wohl hoffentlich auch eine Art ghanaischer Alltag. Ich werd an der Grundschule irgendwie Mathe/Englisch unterrichten und nebenbei vielleicht noch Kunst, weil ich gesagt hab, dass ich ganz gerne zeichne. Wie, wo, was weiß ich noch nicht, die Einzelheiten bekommen wir morgen gesagt. Ich kanns mir auch noch gar nicht vorstellen, aber ich freu mich schon. Was ich schon weiß, ist, dass ich auch noch zwei Stunden in der Woche den Berufsschülern Deutsch beibringen soll. Das stell ich mir auf jeden Fall sehr interessant vor, weils da ja vor allem um die wichtigsten Wörter und grundlegenden Ausdrucksweisen geht und ich hoff, dass mir dazu dann paar gute und witzige Methoden zum Einüben einfallen. Die Schüler sind ganz wild drauf, Deutsch zu lernen und fragen einen schon alle, ob oder wann sie denn endlich wieder Deutsch haben. Ich vermute zwar, dass die wenigsten später in ihrem Leben irgendwann mal Deutschkenntnisse brauchen werden, aber es macht sich gut in ihrem Lebenslauf und es geht ja auch um den Austausch von deutscher und ghanaischer Kultur, also es freut einen auf jeden Fall, wenn die Schüler Interesse zeigen.

Noch einige Anmerkungen:

  1. Eifrige Leser werden festgestellt haben: Moment a mal, Halt Stop, da sind ja ä, ö, ü und ß im Text, da stimmt doch was nicht! Damit ihr weiterhin glaubt, ich sei in Ghana: Ich schreib die Berichte aufm Laptop und muss sie dann im Internetcafé nur noch hochladen.
  2. Ich würde gerne viele, viele Bilder hier hochladen, aber das dauert so ewig und wenn mans dann fast geschafft hat, fällt der Strom aus. Deswegen gibt’s ab und zu welche auf facebook, da geht’s etwas flotter.
  3. Das Essen hier schmeckt größtenteils super, ich schreib mal einen eigenen Bericht drüber, wenn ich noch paar mehr Gerichte kenn.
  4. Mein Zimmer ist für die hiesigen Verhältnisse absoluter Luxus; Kühlschrank, Ventilator, Herdplatten, Sofa, Schreibtische, Bad, … Und abends sein eigenes Zimmer zu haben, ist schon auch manchmal sehr angenehm.
  5. Ums gleichmal vorweg zu nehmen: Ich denk nicht, dass ich euch jede Woche so nen fetten Oschi-Bericht um die Ohren hauen werd, aber für den Anfang muss es einfach sein.
  6. Wer mir mal etwas schicken möchte, worüber ich mich sehr freuen würde:

BOXKS 9004, KUMASI MAIN, ASHANTI REGION, GHANA

Damit liebe Grüße in die Heimat, ich bin gespannt aufs Unterrichten, auf den ghanaischen Unabhängigkeitstag am 6. März, der hier groß gefeiert wird, und auf Neuigkeiten von euch!

Machts gut oder ums mit einer Englischlehrerin am WvB zu sagen: I wish you what!

Matze

Erste Eindruecke

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So, hallo Leute,

also als allererstes: Mir geht’s super 🙂

Ich wollte ja eigentlich vor der Abreise noch einen Bericht schreiben, dazu bin ich leider nicht mehr gekommen. Was ich aber unbedingt noch loswerden wollte: Die letzten Tage und Wochen vorm Abflug waren echt schön und wertvoll, das hat schon was, nochmal mit fast allen Freunden gemeinsam oder einzeln was zur Verabschiedung zu machen, nochmal länger Oma, Opa und Verwandte zu besuchen und von jedem gute Wünsche mit auf den Weg zu bekommen. Da sieht man das schon nochmal mit anderen Augen, was man alles hat. Danke an alle für die lieben Wünsche, Geschenke und vor allem für die Zeit, die sich viele trotz Prüfungsstress für mich genommen haben!

Traurig wars dann natürlich auch noch am Flughafen in München, wobeis mir deutlich besser ging als ich erwartet hab, was denk ich daran lag, dass ich zum einen noch nix so wirklich realisiert hatte und zum anderen ständig von so vielen Eindrücken erschlagen wurde, dass ich gar nicht groß Zeit fand, nachzudenken.

Samstagabend gegen 9 kamen wir dann also in Accra an und begaben uns nach draußen in die schwüle afrikanische Hitze. Alles kam einem so unwirklich vor, der Gang durch verschiedene Sicherheitsschleusen, durch Menschenmassen und der Gedanke: Yeah Mann, ich bin in Ghana.

KK, der Sohn des Chefs unserer Organisation, holte uns vom Flughafen ab und brachte uns durch die quirlige Stadt in ein Hotel, wo wir uns dann einfach nur noch ins Bett legten, ohne so richtig einschlafen zu können.

Am nächsten Morgen wachten wir wie in einer anderen Welt auf. Sonnenschein, Palmen vorm Fenster und alle möglichen Geräusche von draußen. Wir schauten uns ums Hotel herum um: kleine Hütten, huggelige Sandstraßen, Schutthaufen, Katzen und Hühner … und natürlich Leute, die Wäsche wuschen, kochten, herumliefen, Sachen transportierten und uns alle groß anschauten. Man sagte Hallo, winkte oder so, aber ich kam mir schon irgendwie blöd vor, aus der relativ noblen Hoteleinfahrt rauszulaufen und mich umzuschauen wie in einem Zoo. Die Leute lächelten aber alle freundlich zurück und so wars dann schön aufregend und neu. Da ja Sonntag war, wurden wir auch noch kurz von einer sehr freundlichen Passantin in einen Gottesdienst gebracht mit viel Gesang und lauter Musik. Dort in der Kirche fand ichs zum ersten Mal so richtig wunderbar und aufregend, in Ghana zu sein und von nun an am Leben dort teilhaben zu können. KK holte uns vom Hotel ab und gab uns bei ihm zuhause ein super Früchstück inklusive der leckersten Ananas ever, bevor wir dann zur Busstation fuhren. Die Straßen wechselten immer zwischen geteert und sandig, aber auch im größten Dreck und Staub liefen die Menschen mit absolut sauberen Gewändern und Anzügen herum. Die Straßen waren alle so überbevölkert, überall kleine Stände, Leute, die Gefäße und Bündel aufm Kopf trugen und hupende Fahrzeuge, die nach ihren eigenen Regeln fuhren. Ich saß glaub ich mit offenem Mund im Auto und hab einfach nur gestaunt und die Eindrücke genossen.

Um 12 saßen wir dann im Bus nach Kumasi, um 2 war er einigermaßen gefüllt und fuhr los. Den ersten Teil der Strecke gings fast nur über Huckelpiste durch die Stadt und dann durch die Botanik, besser als in jedem Freizeitpark. Ich saß am Fenster, mit den Augen und Gedanken zwischen irgendwo und nirgendwo, der Fahrer hatte Bob Marley aufgelegt und ich hätte mir echt nirgendwo anders zu sein gewünscht als hier in Ghana und war echt glücklich und dankbar.

Um 8 kamen wir in Kumasi an und wurden in unser neues Zuhause in Denkyemuoso (so wird’s hier in Ghana geschrieben) gebracht. Da grade Stromausfall war, konnte ich mein Zimmer erst am nächsten Morgen in seiner vollen Pracht bestaunen. Dafür sind wir momentan zu dritt, da Jakob von den Praktikanten vor uns noch drei Tage in Denkyemuoso ist. Praktisch, da wir so schon einiges von ihm gezeigt bekommen haben. Heute waren wir z.B. in Denkyemuoso und im nächsten Ort Obst und Getränke einkaufen. Man sieht und erlebt so viel, über das man alles schreiben könnte, ich weiß echt nicht, wo ich anfangen und aufhören soll. Die Lehrer und Angestellten, die ich bis jetzt getroffen hab, und Sark, der Schuldirektor, sind alle sehr nett. Wenn man im Ort rumläuft, wird man natürlich angeschaut, aber wir sind halt auch was Besonderes, also einfach freundlich und locker bleiben. Mit den Taxifahrern und Verkäufern kann man, wenn man so bisschen die Preise raushat, auch ganz normal verhandeln und hat denk ich nicht jedes Mal ein besonderes Prozedere. Also kurzum: Das wird denk ich recht bald alles Alltag werden, aber was Besonderes wirds und solls natürlich auch bleiben.

Die natürliche Landschaft ist echt toll, Hügel, Palmen, Sträucher, Termitenhügel, Eidechsen … In den Dörfern gibt’s immer so ein, zwei Hauptstraßen, an der die ganzen Stände und Läden sind. Meistens sind die Dörfer irgendwie so auf eine Ware spezialisiert, also im einen Dorf gibt’s überall Töpferware, im nächsten überall Ananas, auf dem Markt heute haben bestimmt zwanzig Stände nur Zwiebeln verkauft. Die Läden sind auch interessant, da stehen dann z.B. im Sand und Staub aufm Gehweg blitzeblanke Flachbildfernseher zum Verkauf.

Das hört sich jetzt alles relativ nüchtern an glaub ich, wie ich so schreib, aber ich bin echt von allem total fasziniert, genieß jeden Moment und freu mich auch schon auf meine Arbeit, auch wenn ich mir noch nicht wirklich vorstellen kann, wie die so ablaufen wird.

Also bis jetzt geht’s mir echt gut, das wird vielleicht nicht immer so sein, aber ich bin super glücklich, dass ich nach Ghana gegangen bin und ich glaub es hat sich auch jetzt schon gelohnt.

Damit liebe Grüße nach Deutschland,

Matze

countdown

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Liebes Tagebuch 😉

Nicht mal mehr vier Wochen bis zum Abflug nach Ghana, Zeit für einen ersten Eintrag hier.

Die Vorbereitungen gehen so langsam zu Ende, noch letzte Arztbesuche machen, Dokumente zusammenstellen und das Visum einholen, dann sollte der offizielle Teil erledigt sein. Dadurch, dass ich ja auch noch ne Zeit lang gearbeitet hab, war’s schon ganz schön Versicherungszeugs und so, also zum Teil dachte ich mir schon, ich such den Passierschein A38.

Die Gefühle, die jetzt so langsam aufkommen, sind natürlich schwer zu beschreiben. Man stapft hier im Schnee rum, lebt so wie immer und tut so, als wär nix gewesen, und in einem Monat soll man dann plötzlich für ein halbes Jahr in ein völlig fremdes Land fliegen. Die Unterschiede konnte ich mir gestern wieder schön bewusst machen, erst ein ernüchternder Stadionbesuch beim FCA und dann ein Sieg Ghanas beim Africa Cup gegen Mali mit zwei super Toren und stimmungsvollen Zuschauern (:

Die Gedanken und Gefühle so sind ja denk ich ganz normal für die Situation, aber ist trotzdem komisch. Man freut sich total drauf, aber zwischendurch kommen dann auch immer wieder plötzlich Zweifel und Bedenken hoch.

Ich versuch einfach, einigermaßen locker zu bleiben und die Zeit in Ghana offen und positiv anzugehen, dann, bin ich mir sicher, werd ich eine super Zeit dort haben, wahnsinnig viele neue Erfahrungen machen und ein tolles Land kennenlernen.

Den nächsten Eintrag gibt’s dann denk ich kurz vor Abflug, mal schauen, wie da dann das Stimmungsbild aussieht.

Bis dahin schöne Grüße und beste Wünsche!