An der Würze liegen die Pfürze – eine schmackhafte Reise durch ghanaische Gaumenfreuden

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„Sir Matthias, you like eating toooo much!“ Was die Ghanaer als Kompliment meinen, ist tatsächlich nicht ganz an der Realität vorbeigeschossen. Riesige Portionen Reis mit ordentlich Palmöl; Gemüse, Brot und Ei schön frittiert; dazwischen gerne mal ein Eis oder fettiges Gebäck; sportliche Betätigung meist nur in Form von Wäschewaschen und Kinder hochheben, da kann man den Blähbauch nicht mehr nur auf die erhöhte Bohneneinnahme schieben. In diesem Sinne begeben wir uns nun also, wie schon lange versprochen, auf einen kurzen Exkurs in die örtliche Kulinarik:

Vornherein zur Erklärung:

Yam: Dürften einige von meiner Abschlussfeier kennen: Eine Wurzel beträchtlichen Ausmaßes (ungefähr so groß wie eine 1,5l-Flasche) und geschmacklich der Kartoffel sehr ähnlich, von der Konsistenz her etwas mehliger.

Cassava: So ähnlich wie Yamwurzeln, nur etwas kleiner, bei uns soweit ich weiß unter dem Namen Maniok bekannt.

Kochbanane (plantain): Also es gibt hier einerseits Bananen, die so schmecken wie unsere und als Obst verzehrt werden, aber so klein sind, dass sie sich nicht nur Olli Kahn vollständig in den Mund schieben kann, und andererseits Bananen, die so groß sind und so aussehen wie die Bananen bei uns im Supermarkt, aber wie Kartoffeln schmecken und verwendet werden, die Kochbananen.

Nun zu den Gerichten:

Fufu: Gilt als das Nationalgericht Ghanas. Wenn man hier gefragt wird, ob einem Fufu schmeckt, was recht oft vorkommt, und man ehrlich mit ja antworten kann, macht man sich schonmal allseits beliebt. Es handelt sich dabei um einen Kloß aus Plantain-, Cassava- und/oder Yambrei, der von meist sog. „Mothers of Fufu“ mit einem mannshohen Stock in einem Holzbottich (woma und waduro) gestampft wird. Serviert wird das Ganze dann in einer großen Schüssel zum Beispiel mit einer ordentlich scharfen Fleisch-Fischsoße und man zupft mit der rechten Hand kleine Stücke vom gummiartigen Klumpen ab. Also mir schmeckts, solange nicht zu viele Spelter im Fufu und Gräten in der Soße sind, aber mein Lieblingsgericht ist es nicht. Auch habe ich schon mehrere Weiße getroffen, die sich wie ich fragen, warum sich die Ghanaer so wahnsinnig viel Arbeit machen, einen relativ geschmacklosen Breiklumpen zu stampfen, während die einzelnen Zutaten gekocht einen ganz guten Eigengeschmack haben. Gibts aber eh nur in Restaurants, die „canteen woman“ kann ja nicht für zig Leute rummantschen.

Gari and beans: Esse ich hier mit am liebsten und habs auch schon paarmal selber zubereitet – mit annehmbarem Ergebnis. Ist auch ganz einfach, man kocht die Bohnen weich, gibt Palmöl (je nach Wunsch mit angebratenen Zwiebeln) dazu und mixt das Ganze mit Gari, kleingeraspelten Cassavawurzeln, die man rein äußerlich auch mit Parmesan verwechseln könnte.

Daneben gibt’s noch süßes Gari, dazu werden die Raspeln mit einem Schuss Zucker in eine Tasse Wasser gegeben und man bekommt etwas, das so ganz leicht an flüssigen Grießbrei erinnern könnte, auch sehr interessant.

Reis: Gibt’s hier in allen möglichen Varianten und für die Ghanaer ist jede davon ein absolut eigenes Gericht, das man nie einfach nur salopp unter dem Stichwort Reis zusammenfassen würde. Wer damit wenig anfangen kann, sollte besser nicht nach Ghana kommen, in der Regel wird mindestens einmal am Tag Reis gegessen. Ich fühl mich aber recht wohl damit und hab mich auch schon ganz gut an die kleinen Fischköpfe in der Soße gewöhnt.

Waakye: Gibts sehr oft an der Schule, Reis mit viel Bohnen, scharfer Tomatensoße und Fisch, perfekt, wenn man viel Hunger hat. Hab auf dem Weg nach Kumasi aber auch schon eine „Waakye Boutique“ für den stilvollen Genießer gesehen 🙂

Jollof Rice: So bisschen wie der Reis, dens zum Beispiel in Kroatien gibt. An der Schule wird dann noch ein gekochtes Ei dazu gereicht, fertisch.

Rice Balls: Deftige Reisknödel mit meist guter Fleischsoße, manchmal auch schlechter Fischsoße.

Fried Rice: Erinnert stark an den Reis, den man bei uns beim Asiaten bekommt. Bisschen Salat, Karotten, Zwiebeln, Gewürze, ein Hähnchenschenkel und ein Schuss Ketchup und wenn man will, kann man noch Nudeln dazubestellen und bekommt damit eine super afrikanische Nudelbox – erhältlich an jedem gut sortierten Straßenstand.

Plain Rice mit Stew: Erklärt sich von selbst. Kontomire-Stew, eine Variante davon, ist dabei so ähnlich wie Spinat.

Yam (kommt nicht nur ins Fufu):

Boiled Yam: Gekochte kartoffelgroße Yamstücke, meistens mit „bean stew“ oder „garden egg* stew“ (*zu Deutsch: „Äthiopische Eierfrucht“)

Fried Yam: Frittierte Yamschnitze, die ghanaische Form von Pommes, in der Regel erhältlich zusammen mit einem wahrlich atemberaubenden Pepper-Stew

Yam Balls: Sehr lecker, Yambrei mit Karotten und anderem Gemüse in einem leicht angebratenen Knödel. Hab ich leider erst zwei Mal gegessen, im Kloster und in Cape Coast, und sonst noch nirgends gesehen.

Fried Plantain: Sehr fettige, frittierte Kochbananenstücke, ziemlich süß, gibts manchmal zu gari and beans.

Kenkey: Gehört zu den wenigen Dingen, die ich überhaupt nicht mag. Ich hab mich eigentlich ziemlich drauf gefreut, als ich die Beschreibung Maisballen gehört hab, aber hat dann nicht ganz so meinen Geschmack getroffen. Der Maisbrei, den man hier überall als einen in Palm- oder Maisblätter eingewickelten Klumpen am Straßenrand kaufen kann, war recht bitter und säuerlich und in der Schule wurde das Ganze dann noch in einer ziemlich schleimigen Fischsoße serviert, also drei Mal haben mir bis jetzt gereicht. Aber anderen Leuten schmeckts super, also nichts gegen das Gericht.

Banku: Eine Mischung aus Kenkey und Fufu, meiner Meinung nach näher am Kenkey und deswegen weniger betörend.

Bread and Egg: Es wird ja bekanntlich dazu kommen, dass der Döner den Menschen ersetzen wird. Für mich hat hier aber erstmal das Bread and Egg den Döner ersetzt. Fast durchgehend erhältlich, schnell mal im Vorbeigehen zu essen, superlecker und stets mit dem Gedanken verbunden, dass man nicht unbedingt zu viel davon reinhauen sollte (Stichwort Eier aus Freimüllhaltung usw.). Rührei in Toastbrot, soweit der Gaumenschmaus in nüchterne Worte gepackt.

Was gibts sonst noch so zu schnabulieren: Gegrillte Würste, die gar nicht mal schlecht schmecken (für die Zutaten gilt: Was ich nicht weiß, macht nur die Wurst heiß…), Meat Pies, für die dasselbe gilt, Frühlingsrollen oder anders Gebäck mit Bohnen oder Kraut, gekochte oder gegrillte Maiskolben und vieles mehr.

An süßen Sachen wären zu nennen: Bofrot und Sweet Balls, süßes dampfnudel- bzw. kuchenähnliches Gebäck, handgemachte Kekse, Fan-Ice, also so ne Vanilleeiscreme in der Tüte, göttlich, oder unglaublich exquisite Karamell-Nuss-Klötze. Desweiteren taugen verschiedenste Nüsse, salziges Gebäck oder Bananenchips perfekt als Knabberzeugs.

Dazu gibts natürlich noch jede Menge Obst, frische Ananas, Orangen, Bananen, Mangos (is leider grad nicht mehr Hochsaison), Papaya, Avocados (die allerdings meistens zu Reis oder Yam gegessen werden), Kokosnüsse, Zuckerrohr zum Kauen und Ausspucken, Kakaobohnen zum Schluzen und Ausspucken, Wassermelonen usw.

Also alles in allem muss ich sagen, ich bin hier essenstechnisch wirklich sehr zufrieden. Ich hab ja auch zuhause schon ne gute Portion Spätzle der Lachsschaummousse an Trüffel-Weißwein-Creme vorgezogen, insofern fühl ich mich super wohl damit, dass ich hier mittlerweile ganz gut weiß, was aufn Tisch kommt, und mittags nach der Schule hab ich eh meistens so Hunger, dass mir vieles egal ist.

Mit kulinarischen Kuriositäten wie frittierten Fledermäusen, gedünsteten Gelbbauchunken oder halbgaren Heuschrecken, was manche vielleicht denken, hat die ghanaische Küche von heute wenig zu tun. Ab und zu sieht man mal Leute, die Schnecken, Krebse, Tintenfisch oder Buschratten verkaufen, aber dazu würden unsere Nachbarn im Westen ja auch „Buon appétit“ sagen.

So lass ichs mir also mit Leib und Seele gutgehen – das Bäuchlein wächst und gedeiht. Das praktische hier in Ghana ist, dass einem zumindest in der Stadt das Essen meist noch in Form von großen Kisten auf den Köpfen von Verkäufern aller Altersstufen entgegenläuft, was schon ein bisschen was von Schlaraffenland hat, auch wenn man den meisten Verkäufern natürlich einen anderen Job wünschen würde.

In diesem Sinne wenden wir uns dem Verdauungsschläfchen zu, mehr Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke gibts dann wieder im nächsten Blog.

Bis dann, liebe Grüße, und bei wems bald Essen gibt: An guaden!

Le Chefkoch himself, Matze

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  1. Hallo Matti! Unglaublich, meine Hoffnung auf Reduzierung meines Leibesumfangs in Ghana ist nun aber gründlich dahin! Ich dachte, ich müsste mir vor dem Abflug eher etwas anfüttern, um den Folgen eines „nervösen Darms“ erst mal entgegenzuwirken – nun ist ja eher das Gegenteil anzuraten: Fasten bis Samstag…dann „Fasten your seatbelt“…
    In nervöser Vorfreude AO

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